Nicht ganz da

Ich sitze vor einem Bildschirm. Das ist vielleicht eine der typischsten Raumerfahrungen unserer Zeit. Man sitzt vor diesem vermeintlichen Fenster zur Welt. Während man das Fenster vor oder neben sich nur beiläufig beachtet. Das Netz, der Bildschirm, der Film. Alles Räume, die mir vorgaukeln, ich könnte sie betreten, ich würde in ihnen agieren ohne je meinen Körper mitzunehmen. Ohne je wirklich darin zu sein. Man erspart sich die Konsequenz, das Gebunden-Sein an einen Ort.
So wird einem nie ein Ort zum Gefängnis. Das wäre mal eine Idee: Ein Online-Knast. Warum überhaupt noch Gefängnisse bauen? Man könnte Leute schlicht dazu verdonnern, immer das gleiche öde Programm zu bedienen, eine Art Rollenspiel am Computer, in dem einfach gar nichts passiert. Man sieht nur die Zelle, kann ab und zu aufs Klo gehen. Ab und zu schaut der Wärter rein und bringt schlechtes Essen.
Man bindet sich am Bildschirm ja freiwillig an einen begrenzteren Raum. So als könnte man die Welt da draußen nicht aushalten. Nur um dann am Bildschirm mit dem ganzen echt abgefahrenen menschlichen Wahnsinn konfrontiert zu werden. Das ist vielleicht die üble Konsequenz des postmodernen Narzissmus: Der Mensch gestaltet die Welt immer mehr nach seinen Vorstellungen und ahnt, dass die Katastrophe darin liegen könnte, dass es klappt. Da hilft dann nur noch die Outdoor-Flucht.

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