Die Fakirseife

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Das hier ist ein Stück Seife aus unserer WG. Ich finde die Anordnung bemerkenswert. Das Stück Seife liegt auf einer Art Gumminagelbrett. Man könnte jetzt sagen: Ja, die Seife soll eben nicht festkleben und trocken werden, damit nicht dieser komische Seifenschleim entsteht wie in anderen Ablagen. Die Anordnung hat aber auch einen symbolischen Charakter. Die Seife schwebt sozusagen. Das Ding soll ja mehr oder weniger durchsichtig sein. Die Seife, Inbegriff der Reinheit schwebt also sozusagen in der Luft, als habe sie magische Kräfte. Wie eine Gottheit.
Dabei ruht sie aber auf einem Gegenstand, der zugleich Weichheit und Härte bedeutet. Weichheit, weil es sich um eine Art von Plastik handelt, Härte, wegen der Nadeln, oder Nägel. Die Seife ruht wie ein Fakir permanent auf diesen Gumminadeln, als müsste sie eine Art Ritual des Schmerzes durchlaufen. Als wäre der einzige Moment der Befreiung aus diesem Schmerz der Akt des Benutzt-Werdens. Dabei ist der Schmerz aber wiederum nur angedeutet, weil die Nadeln stumpf sind. Ein gespielter Schmerz. Es gibt also eine Art doppelte Illusion: Es sieht so aus, als schwebe die Seife, obwohl sie nicht schwebt, wobei es aussieht als durchlebe sie einen Schmerz, den sie aber nicht durchlebt. Außerdem ruht die Schale selber wiederum auf Nadeln, so als müsse der Schmerz auch nach unten weitergegeben werden, was aber wiederum nicht wirklich passiert.
Hinzu kommt, dass die Seife selbst nicht etwas sauber ist, sondern eher schmuddelig. Die ganze vermeintlich göttliche Reinheit offenbart sich als ein großer Betrug. Vielmehr ist es eher umgekehrt. Eine dreckige Seife liegt faul herum, wobei sie so tut, als habe sie Schmerzen, um ab und zu hochgehoben zu werden, was wahrscheinlich selten passiert, weil sie dreckig ist.
Die Alternative wäre also ein Seife, die wirklich schwebt, dabei mit echten Nadeln gespickt ist und ständig benutzt wird, wodurch sich jeder an ihr verletzen würde.
Nun ist das alles nur meine verrückte Vorstellung. Was bringt mich dazu, in einer Seife eine Art Wesen des Reinheitsschmerzes zu sehen, anstatt zum Beispiel einen Plastikigel, der ein Stück dreckige Seife trägt wie eine Krone? Nun, das zweite Bild gefällt mir auf jeden Fall besser.
Geben wir also das Bild der Schmerzseife auf und feiern wir lieber König Seifenigel. Den Igel, der wissen wollte, wer ihm ein Stück Seife auf den Kopf gelegt hat…

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