Kein WLAN

Heute ist mal wieder das WLAN ausgefallen, was mich wie alle postmodernen Wesen in eine Krise existentiellen Ausmaßes stößt. Die ganze Tagesstruktur, ein ausgeklügeltes System verschiedener Prokrastinationsanreize ist völlig aus den Fugen. Ich schreibe das hier gerade auf meinem Handy und fühle mich wie ein Strauchguerilla der Datenautobahn, weil ich dem Netzt doch noch ein bisschen Online-Zeit abgetrotzt habe.

Natürlich durchlief ich inzwischen eine endlos erscheinende Phase der Askese von zwei Stunden, in der ich gelobte, nie wieder die virtuellen Pforten des Netzes zu durchschreiten. War nicht alles Übel meiner Existenz aus diesem Quell der Ablenkung entsprungen? 

Mein fortwährendes Begehren nach Verbundenheit mit dem großen Etwas da draußen ließ mich andere Pfade einschlagen. Die Beschränkung des Zugangs macht mich produktiver als gedacht. Wenn die mir verfügbare Datentransfermenge schon nicht ausreicht, um ordentlich zu konsumieren, will ich wenigstens als kleiner Content-Erzeuger auf der Flosse des großen Online-Wals durch die Welt des öffentlichen Diskurses treiben.

Ist das alles nur ein Vorspiel zur großen Netzapokalypse? Wenn alles zusammenbricht und orientierungslose Wesen in unbrauchbaren Cyber-Sex-Anzügen hinter toten Datenbrillen durch stumme dunkle Straßen taumeln? Oder ist das nur der Kulturpessimismus, der eine Zeit verherrlicht, in der man immer nur die gewohnten Wege ging, weil es kein Navi für die unbekannten gab?

Auf jeden Fall kann ich euch sagen: Ja, ich war dort. Es gibt die alte Welt da draußen noch. Was für ein Abenteuer, harr, harr!

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