Die Blumen-Apokalypse

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Ein kleiner Blecheimer, aus dem etwas Blumenartiges hervorquillt – Das lief mir heute über den Weg. Dieser Anfangssatz ist natürlich in vielerlei Hinsicht verkehrt. Es ist kein Blecheimer, sondern ein blechener Blumentopf, den Profis wahrscheinlich Flower Presenter nennen, oder so, außerdem ist das, was herauswächst auch nicht wirklich eine Blume, sondern eine Art Kaktus, zumindest für so unbedarfte Naturforscher wie mich, und natürlich lief er mir nicht über den Weg, sondern stand einfach nur so rum. Aber was soll ich tun? Als der Natur entfremdeter Städter bleibt mir ja nichts übrig, als diesen Rest domestizierten Grüns mit unbeholfenem Gestammel zu beschreiben.
Blumen, die unkontrolliert aus einem Eimer wuchern – das fasziniert mich. Ein wohliger Schauder kitzelt meine Eingeweide, wenn ich mir vorstelle, wie dieses Eindringen der Pflanze in meine Welt unkontrolliert fortschreiten könnte. Binnen kürzester Zeit wäre der ganze Tisch bedeckt, Leute würden erst lachen und dann in Panik davon laufen, bevor die Welle des Wachstums sie verschlingt. Was für ein großartiger Tod. „Er wurde überwuchert.“ – das stand noch auf keinem Grabstein.
Dieses Horrorelement, dieses Einbrechen des Kontingenten in unsere Welt nahm mich für einen kurzen Moment gefangen.
Das anzig Traurige ist, dass es eben nicht passiert. Die schöne angekündigte Apokalypse findet nicht statt. Unsere Stadt wird nicht auf einmal von Blumen überwuchert oder von Eichhörnchen zu Tode gekuschelt. Weil wir als Menschen doch stärker sind. So verzweifelt man im Alltag gerne an der eigenen Überlegenheit der menschlichen Spezies, der nichts anderes übrig bleibt, als hier und da selbst ein bisschen angedeutete Apokalypse zu inszenieren, um das Leben mit ein bisschen Leben zu füllen.
Gut möglich, dass in unser Glas-Stahl-Beton-Welt bald noch mehr solche Auswüchse zu beobachten sind. „Das ist das neue Einkaufszentrum, an der oberen Ecke haben wir ein Stück Sumpf eingebaut, wohooo!“ Der Modetrend, ein Vogelnest auf dem Kopf zu tragen wird bald vielleicht gar keine abwertende Frisurenbezeichnung mehr sein, sondern ein Notwendigkeit.
Bis dahin freue ich mich an Pflanzen, deren Namen ich nicht kenne. Ich sage weiterhin: Das war so schön! Da hinten stand ein Tulpe, also eigentlich nennt man es Löwenzahn, wenn man es genau nimmt, war es wissenschaftlich betrachtet ein Baumstumpf, aber für mich hat es die Funktion einer Pflanze, also keine Funktion zu haben, völlig erfüllt…

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